Forschung, Wissen und Vernetzung nimmt Handicaps und Beeinträchtigungen und ihre Bedeutung für die Intersektionalität von Ausschlüssen und Inklusion in den Blick

Viel zu wenig ist bekannt über die Lebenslagen und Erfahrungen, von Ausschlüssen und Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*, Inter* und queeren Menschen mit unterschiedlichen Formen von Handicaps, mit chronischen Erkrankungen bzw. mit psychischen oder physischen Bedarfen der Unterstützung. Diese Leerstelle geht das Projekt „NRW LSBTIQ*-inklusiv“ an. Initiiert wurde das Projekt durch die Mitgliedsgruppen queerhandicap e.V. und BIE queer e.V., durchgeführt in Trägerschaft der LAG Lesben. Zusammen mit der Fachhochschule Bielefeld realisiert BIE queer e.V. seit dem 20.2.2020 eine Erhebungsstudie. Über leitfadengestützte Interviews mit Betroffenen und Akteur*innen aus Beratungs- und Supportstrukturen für Menschen mit Handicaps, mit dem Blick in die Sozialgesetzgebung und mit Erhebungen zur Alltagssituation von LGBTIQ* mit Handicaps entsteht ein erster, bundesweit einmaliger Einblick in Alltags- und Lebenssituationen von LGBTIQ*-Personen, die im Alltag auf kleinere oder große Unterstützung angewiesen sind und darum mitunter multiple Ausgrenzungs- oder Diskriminierungserfahrungen machen.

Die Studie kommt zu dem Fazit, dass Diskriminierungs- und Ausgrenzungserfahrungen für LGBTIQ* signifikant höher ist, wenn sie etwa in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen arbeiten oder bei Behörden Unterstützungsleistungen für die Bewältigung von Handicaps beantragen möchten. Es wird klar: Intersektionalität von Ausgrenzung und Diskriminierung ist deutlich sichtbar, die Erfahrung von Mehrfachdiskriminierung begleitet LGBTIQ* mit Handicaps mitunter ein Leben lang.

Auf dem Fachtag „NRW LSBTIQ*-inklusiv“ (20./21.11.2020), der maßgeblich von queerhandicap e.V. organisiert und durchgeführt wurde, werden im Plenum und in Workshop-Runden Handlungsfelder deutlich. Diskutiert werden Bedarfe und lösungsorientierte Ansätze, die die Community und ihre Selbstorganisierungspotentiale, vor allem aber auch die gesellschaftliche Verantwortung für die Verbesserung der Alltagssituationen von LGBTIQ* mit Beeinträchtigungen in den Blick nehmen. Das Projekt wird seitdem kontinuierlich weitergeführt. 2021 wurde ein Runder Tisch „NRW LSBTIQ-inklusiv“ etabliert, an dem auch die LAG Lesben beteiligt ist (https://www.lsbtiq-inklusiv.nrw/).

Anliegen des Runden Tisches ist, queere Themen in die Regelstrukturen der Behindertenhilfe einzubringen, die Selbsthilfe von queeren Menschen mit Beeinträchtigungen zu stärken und in den queeren Communities mehr inklusive Strukturen zu schaffen.

 

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