Berlin/Heidelberg/Fürstenberg, 14.07.2021. Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten hat entschieden, die Verfolgung lesbischer Frauen und Mädchen in der Zeit des Nationalsozialismus anzuerkennen. Eine Gedenkkugel soll im Rahmen des 77. Jahrestags der Befreiung im Jahr 2022 dauerhaft niedergelegt werden. Dazu LesbenRing-Vorstandsfrau Marion Lüttig:

„Der LesbenRing freut sich sehr, dass die Leitung der Gedenkstätte Ravensbrück und der Vorstand der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten nun dem Antrag auf eine Gedenkkugel für die verfolgten Lesben im dritten Reich zugestimmt haben. Wir sind erleichtert, dass die unwürdige Debatte, ob Lesben je verfolgt worden seien und die jahrelange Ablehnung eines Gedenkzeichens endlich ein Ende haben. Mit der Entscheidung der Stiftung für die Gedenkkugel wird das Leid von lesbischen Frauen und Mädchen über ein dreiviertel Jahrhundert nach der Befreiung des Konzentrationslagers endlich sichtbar gemacht,“ erklärt Lüttig zur Verkündung der Entscheidung.

Auf der Ton-Kugel soll nunmehr stehen „In Gedenken aller lesbischer Frauen und Mädchen im Frauen-KZ Ravensbrück und Uckermark. Sie wurden verfolgt, inhaftiert, auch ermordet. Ihr seid nicht vergessen.“

Am 1. Oktober 2020 hatten die Initiative „Autonome feministische Frauen und Lesben aus Deutschland und Österreich“ und das „Bündnis der Initiativen zur Unterstützung der Gedenkkugel für die verfolgten und ermordeten lesbischen Frauen und Mädchen im ehemaligen Frauenkonzentrationslager Ravensbrück und Uckermark“, der LesbenRing e.V., RuT Rad und Tat – Offene Initiative Lesbischer Frauen, der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) – Bundesverband, die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (BMH), und der Fachverband Homosexualität und Geschichte (FHG) nochmals einen gemeinsamen Antrag bei der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten eingereicht, der nun zum Erfolg geführt hat. Nicht zuletzt die wissenschaftliche Fachkommission der Stiftung hat nach ausführlichen Beratungen eine einstimmige Empfehlung zur Annahme des Antrags an die Gedenkstätte und Stiftungsleitung ausgesprochen.

“Seit Langem kämpfen Aktivist*innen um die Anerkennung der Verfolgung von Lesben. Lesbische Frauen und Mädchen wurden während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, inhaftiert und auch ermordet”, so Vorstandsfrau Marion Lüttig. “Sie galten durch ihre Unabhängigkeit als “entartet” und asozial. Sie wurden psychiatrisiert, zur Prostitution in Lagern gezwungen und inhaftiert”. Es werde Zeit, den lesbischen Frauen und Mädchen einen angemessenen Ort des Gedenkens zuzugestehen und ein Gedenkzeichen dauerhaft vor Ort niederzulegen.

“Wir danken an dieser Stelle besonders der Hartnäckigkeit der Initiative „Autonome feministische Frauen und Lesben aus Deutschland und Österreich“, namentlich Wiebke Haß, Susanne Kuntz, Maria Newald, Lisa Steininger und Irmes Schwager, die mit vielen internationalen Unterstützer*innen im Rücken trotz Gegenwinds immer an der Gedenkkugel festgehalten haben. Ebenso danken wir unserer Fachbeirätin Autorin Stephanie Kuhnen, dem Bundesvorstand des LSVD, der Historikerin Dr. Kirsten Plötz sowie der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, die zusammen mit uns und der deutsch-österreichischen Initiative in den letzten eineinhalb Jahren an einem Runden Tisch an dieser lang ersehnten Lösung gearbeitet haben”, so Lüttig weiter.

“Wie wir uns erinnern, macht viel davon aus, wie wir die Welt von heute wahrnehmen. Lesbisches* Leben ist Teil unserer Geschichte, lesbische* Stimmen müssen gehört, lesbisches* Erleben gewürdigt werden”, so Vorstandsfrau Marion Lüttig abschließend. Lesbische* Geschichte ist in der Geschichtsschreibung der Mehrheitsgesellschaft kaum präsent. So wurde und wird die Verfolgung und Ermordung lesbischer* Frauen in der NS-Zeit geleugnet und diese Leugnung ihrer Verfolgungsgeschichte ist ein Teil ihrer Verfolgung. Bis heute bestimmt die massive Homosexuellenfeindlichkeit, von der die Mehrheit der überlieferten Zeugnisse geprägt ist, Erinnerungspolitik und Forschung.